Wasserwerk Colbitz feiert 85. !

Am 12. August 1932 wurde das Wasserwerk Colbitz feierlich in Betrieb genommen. Bis heute hat es eine beachtliche Entwicklung vom Wasserwerk für die Stadt Magdeburg, zu einem Wasserwerk mit überregionaler Bedeutung im Versorgungssystem der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH erlebt.

Magdeburg bezog in früheren Zeiten sein Trinkwasser ausschließlich aus der Elbe.

1859 wurde, 3 Kilometer oberhalb der Stadt, außerhalb der Festung auf dem s.g. Wolfswerder im heutigen Stadtteil Buckau ein Wasserwerk und auf dem Kroatenberg für eine bessere Verteilung des Trinkwassers ein Hochbehälter errichtet.

Trotz aller Bemühungen und Aufwendungen beim Ausbau des Flusswasserwerkes Magdeburg Buckau mit weiteren Reinigungsstufen konnte der Wettlauf mit der Verschmutzung des Elbewassers nicht gewonnen werden.

Da Magdeburgs Bemühungen, die Verunreinigungen der Elbe einzuschränken und damit das Übel an der Wurzel anzupacken scheiterten, musste man nach neuen Möglichkeiten suchen. Dafür kam nur die Heranführung von Wasser aus dem Harz oder die Suche nach Grundwasser in Frage.

Nach jahrzehntelanger Suche der Geologen und Hydrologen in Magdeburg und der Umgebung entschloss sich die Stadt Magdeburg günstige Grundwasservorkommen im Samsweger Tal der Letzlinger Heide zu erschließen und ein Wasserwerk mit einer Zuleitung nach Magdeburg zu errichten.

Da die Grundwasserentnahme auf 30.000 bis 35.000 Kubikmeter pro Tag begrenzt war, musste noch etwa die gleiche Menge gereinigten Elbewassers vom Flusswasserwerk Magdeburg Buckau bereitgestellt werden. Durch die Mischung beider Wässer im Trinkwasserbehälter auf dem Kroatenberg konnte man zwar die Wassergüte verbessern, es blieb aber die Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigung des Trinkwassers.

Da die Abgabemenge aus dem Grundwasserwerk Colbitz durch die natürlichen Bedingungen der Wassergewinnung weitestgehend konstant bleiben mussten war abzusehen, dass der Prozentsatz der Beimischung von Elbewasser größer wird und demzufolge sich die Wasserqualität verschlechtert. Bei einer weiteren Aufwärtsentwicklung in der Region Magdeburg konnte man den Zeitpunkt voraussehen, wann die beiden Wasserwerke nicht mehr genug Wasser liefern können.

So besann man sich in der den 1950-iger Jahren auf Vorschläge der Wasserfachleute, die bereits mit dem Bau des Wasserwerkes Colbitz die Gewinnung größerer Grundwassermengen durch die Anreicherung des natürlichen Grundwassers durch Ohrewasser untersucht hatten.

Nach umfangreichen Planungen errichtete man an der Ohre bei Satuelle ein Einlaufbecken, ein Pumpwerk und baute einen 10 Kilometer langen Kanal zu großen Versickerungsbecken, die sich im Anstrom der Wasserwerksbrunnen befinden. Das versickerte Ohrewasser nutzt die natürliche Filterwirkung der Heidesande und mischt sich im Untergrund  auf einem kilometerlangen Fließweg und einer natürlichen, mehrjährigen Bodenpassage mit dem vorhandenen  Grundwasser und wird dann mit den Brunnen zu den Aufbereitungsanlagen des Wasserwerkes gefördert.

Diese Anlagen werden seit 1963 betrieben und haben sich auch nach über 50 Jahren Betrieb vollauf bewährt. Ergänzend zu dem Wasserwerk von 1932 wurden mit der Erweiterung der Werksanlagen zusätzliche Brunnen, Wasseraufbereitungsanlagen sowie eine zweite und eine dritte Rohrleitung  nach Magdeburg und Hochbehälter fertig gestellt.

Damit konnte ab dem 14. September 1966 die vollständige Trinkwasserversorgung für Magdeburg mit Heidewasser gesichert werden. Nach einer sehr aufwendigen Trennung des Magdeburger Rohrnetzes in ein Trink- und Betriebswassernetz versorgte das Elbewasserwerk nur noch die Industrie mit Betriebswasser.

Der steigende Wasserbedarf insbesondere durch den Wohnungsbau der Stadt Magdeburg erforderte ab den 70er Jahren einen weiteren Ausbau des Wasserwerkes Colbitz. Damit war auch die Möglichkeit für die verstärkte Trinkwasserbereitstellung in die Umgebung von Magdeburg gegeben.

In den 1990-iger Jahren lagen die Schwerpunkte hauptsächlich in der Sanierung und Modernisierung aller Anlagenteile des Wasserwerkes.

Das Flusswasser Werk Magdeburg Buckau wurde 1990 stillgelegt.

Das heute aus der Colbitz-Letzlinger Heide bereitgestellte Trinkwasser ist frei von Zusatzstoffen, hat einen naturbelassenen, guten und erfrischenden Geschmack und entspricht allen gesetzlichen Anforderungen. Es wird auf seinem Weg von der Gewinnung bis zu den Verbrauchern durch das Trinkwasserlabor der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH (TWM) und die Behörden ständig kontrolliert und überwacht.

Heute versorgt die 1994 gegründete TWM als Trinkwasserlieferant eine Vielzahl  an kommunalen Versorgern, Stadtwerken, Verbänden und Industrieunternehmen im Großraum Magdeburg und sichert die Trinkwasserversorgung für 760.000 Einwohner. Knapp 500. 000 Einwohner werden mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk Colbitz versorgt.

Nach 85 Jahren haben sich die ursprünglichen Hoffnungen der Magdeburger auf eine hochwertige Wasserversorgung mit Trinkwasser in vollem Umfang erfüllt und sind für die Zukunft gesichert. Mittlerweile profitieren auch Bürger im Großraum Magdeburg von der sehr guten Trinkwasserqualität des vom Wasserwerk Colbitz gelieferten Trinkwassers. ( J. Kaatz, D. Neumann August 2017)

Magdeburgs Bürgermeister E. Reuter bei der Feier zur Inbetriebnahme  des Wasserwerk Colbitz am 12. August 1932.

Wasserwerk Colbitz

Teilansicht Wasserwerk Colbitz im Jahr 2017